{"id":903,"date":"2003-09-22T11:44:16","date_gmt":"2003-09-22T09:44:16","guid":{"rendered":"http:\/\/groscurth.com\/wordpress\/?p=903"},"modified":"2003-09-22T11:44:16","modified_gmt":"2003-09-22T09:44:16","slug":"feuilleton_frag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/groscurth.com\/wordpress\/2003\/09\/22\/feuilleton_frag\/","title":{"rendered":"Feuilleton Fragment"},"content":{"rendered":"<p>Einzig ein paar <a href=\"http:\/\/www.perlentaucher.de\/artikel\/1122.html\">Studenten aus Chemnitz <\/a> haben wohl mit der Diagnose des &#187;waffenstarrenden Vielleicht&#171; die gegenw\u00e4rtige positionslose Attitude der vier oder f\u00fcnf gro\u00dfen Feuilletons  beschrieben.<br \/>\nDass konstruktive und wirkungsm\u00e4chtige Kritik an der eigenen Arbeit nicht von (hier) den Feuilletons selbst ge\u00fcbt wird, d\u00fcrfte klar sein.<br \/>\nAllenfalls die Diagnose wird noch get\u00e4tigt. Der Missstand kurz angezeigt, um die Debatte abzuschlie\u00dfen. In allen j\u00fcngeren Anf\u00e4llen von Selbstzweifel scheinen innere diese zentrifugalen Kr\u00e4fte auszubalancieren. Sei es der knackig kritische Diskurs \u00fcber die stets instrumentalisierte Berichterstattung von Kriegen o.\u00e4., die M\u00e4\u00dfigungsattacken nach Gewaltausbr\u00fcchen \u00e1 la Erfurt, die gerne an runden gr\u00fcnen Tischen aus Medien und Politik geritten werden.<br \/>\nOder eben die aktuellen Debatte \u00fcber die Konturlosigkeit des Feuilletons, die auch nicht aus dem Inneren der Redaktionen heraus behoben werden wird. \u00dcberhaupt ist diese Frage nat\u00fcrlich eine des Standpunktes. Und auch eine der Analyse. Wohl exemplarisch ist die Rede vom &#187;waffenstarrenden Vielleicht&#171; zustande gekommen. Auf mehr als zwei analysierte Texte verweisen die Chemnitzer n\u00e4mlich nicht.<br \/>\nVielleicht kann ich aber nachlegen: Und wenn Sie hier schon wieder den Namen Baudrillard lesen und es gleichzeitig nicht mehr k\u00f6nnen. Ok. Mir f\u00e4llt`s auch schwer momentan. Und ich bin froh, dass das Ding durch ist.<br \/>\nWen`s dennoch interessiert. Ein paar Zeilen einer Arbeit aus diesem Jahr. Sie behandelt die feuilletonistische Fragmentierung der Medientheorie, wie sie im symbolischen Tausch von Jean Baudrillard angelegt ist. Den kompletten Text verschicke ich gerne auf Anfrage in den Kommentaren.<br \/>\nbq. &#187;Zu Beginn des Films &#8222;The Matrix&#171; [1] h\u00e4lt der Protagonist Thomas A. Anderson alias Neo Jean Baudrillards Titel &#187;Simulacra und Simulations&#171; in den H\u00e4nden. Der Blick des Betrachters f\u00e4llt \u00fcber Andersons Schultern auf das aufgeschlagene Kapitel &#187;On Nihilism&#171;. In den folgenden, ausgeh\u00f6hlten Seiten des Buches ist ein Datentr\u00e4ger verborgen. Es ist eine gleicherma\u00dfen illegale wie hei\u00dfbegehrte Computersimulation, mit deren Verleih Anderson seinen Lebensunterhalt aufbessert.<br \/>\nbq. Mit der kurzen Beschreibung dieser Filmszene soll exemplarisch das Eindringen diverser Fragmente des Baudrillardschen Theoriegeb\u00e4udes nicht nur in ein fiktionales und kommerziell erfolgreiches Medienprodukt wie &#187;The Matrix&#171;, sondern vor allem in die breiteren, nicht-wissenschaftlichen Debatten der Feuilletons [2] angedeutet werden. Bohn und Fuderer verweisen darauf, dass z.B. Baudrillards zentrales Konzept der Simulation zu einem &#187;feuilletonistischen Allgemeinplatz&#171; wurde [3]. Dieses vollzieht sich nicht, so eine einleitenden These, ohne Schaden am theoretischen Gehalt der postmodernen Konzepte Baudrillards, die ohnehin stark in der wissenschaftlichen Kritik stehen [4]. Der Verweis auf einen feuilletonistischen \u2018Allgemeinplatz\u2019 l\u00e4sst jedoch auch R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Form zu, in der Medientheorien bzw. deren Fragmente im Journalismus zirkulieren.<br \/>\nbq. In dieser Arbeit soll gezeigt werden, mit welchen Theoriekonzepten Jean Baudrillard arbeitet, und wie sich diese in den erw\u00e4hnten &#187;feuilletonistischen Allgemeinpl\u00e4tzen&#171; artikulieren.<br \/>\nIm Verlauf dieser Arbeit sollen diejenigen Feuilleton-Artikel der Jahrg\u00e4nge 2001 und 2002 der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie der S\u00fcddeutschen Zeitung analysiert werden, in denen der Autor Baudrillard bzw. zentrale Begriffe seines Hauptwerkes &#187;Der symbolische Tausch und der Tod&#171; [5] thematisiert oder, in welcher Form auch immer,  schlicht erw\u00e4hnt werden.<br \/>\nZun\u00e4chst wird der Versuch unternommen, die verschiedenen Artikel im Hinblick auf die verwendeten Baudrillardschen Konzepte bzw. die je Artikel verwendeten Bez\u00fcge zu Baudrillard zu typologisieren. Daraufhin werden diese Gruppen auf die journalistische Funktion untersucht, die die jeweils verwendeten theoretischen Konzepte und Bez\u00fcge auf Baudrillard haben. In einem dritten Schritt werden die in den Artikeln verwendeten Konzepte mit ihren Referenzen im Symbolischen Tausch konfrontiert. Im Vergleich zu bestimmten argumentativen Mustern bzw. Elementen einer Baudrillardschen Rhetorik soll kontrastiert werden, inwiefern diese es erm\u00f6glichen, Medientheorie in journalistischen Diskursen bzw. den erw\u00e4hnten feuilletonistischen Allgemeinpl\u00e4tzen nicht nur zirkulieren zu lassen, sondern auch das diskursive Niveau einer universal angelegten Medientheorie zu beeinflussen.<br \/>\nbq. Die Naturwissenschaftler Alan Sokal und Jean Bricmont [6] betrieben ein \u00e4hnliches Unternehmen. In ihren Studien wiesen sie nach, dass einige prominente Autoren der franz\u00f6sischen Postmoderne in ihren Werken eine Terminologie gebrauchen, mit der wissenschaftliche Ideen und Begriffe aus ihren urspr\u00fcnglichen konzeptionellen Zusammenh\u00e4ngen gerissen wurden und so nicht nur ihren Theorien, sondern auch dem Status Quo und der Akzeptanz postmoderner Theorie, wenn nicht dem System Wissenschaft Schaden zuf\u00fcgten. Bezog sich Sokals und Bricmonts Analyse auf (unzul\u00e4ssig) entwendete naturwissenschaftliche Konzepte und Modelle, so soll ihr Gedanke einer postmodernen &#038;+#187;eleganten Rhetorik&#171; in dieser Arbeit weiter gedacht werden und Aufschl\u00fcsse \u00fcber die Art und Weise geben, wie Baudrillard seine theoretischen Konzepte formuliert und welche Probleme daraus in der feuilletonistischen Rezeption entstehen.&#171;<br \/>\nUnd weil sie so sch\u00f6n sind. Und zu Thema und baldigem Urlaub passen: Guillemets statt Anf\u00fchrungszeichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einzig ein paar Studenten aus Chemnitz haben wohl mit der Diagnose des &#187;waffenstarrenden Vielleicht&#171; die gegenw\u00e4rtige positionslose Attitude der vier oder f\u00fcnf gro\u00dfen Feuilletons beschrieben. Dass konstruktive und wirkungsm\u00e4chtige Kritik an der eigenen Arbeit nicht von (hier) den Feuilletons selbst ge\u00fcbt wird, d\u00fcrfte klar sein. Allenfalls die Diagnose wird noch get\u00e4tigt. 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