{"id":808,"date":"2003-03-23T12:33:10","date_gmt":"2003-03-23T10:33:10","guid":{"rendered":"http:\/\/groscurth.com\/wordpress\/?p=808"},"modified":"2003-03-23T12:33:10","modified_gmt":"2003-03-23T10:33:10","slug":"entropie_der_ni","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/groscurth.com\/wordpress\/2003\/03\/23\/entropie_der_ni\/","title":{"rendered":"Entropie der Nicht-Information"},"content":{"rendered":"<p>Stolz berichten die US-Milit\u00e4rs von immer pr\u00e4ziseren Technologien. Der Anteil immer akkurater treffender Bomben steigt. Deren Anteil am gesamten Abwurf betrug im `91er Irak-Krieg 10%, im Kosovo 40%, in Afghanistan 60% und aktuell will man uns glauben machen, kommen so gut wie keine Zivilisten ums Leben. Wir werden es eh nie erfahren.<\/p>\n<p>Angesichts der gr\u00fcnstichigen Live-Bilder, die gewaltige Explosionen im Bagdad zeigen, kommen jedoch Zweifel am chirurgischem Eingriff auf. Und diese Bilder sind immerhin solche, die den Weg von Bagdad ins Wohnzimmer schaffen. Wie mag es in Mossul, Tikrit und Basra aussehen, die ebenso wie die irakische Kapitale durchgehend bombardiert werden? Von dort erreichen uns lediglich Agenturmeldungen und ab und zu die funkverzerrte Stimme eines amerikanischen Korrespondenten. K\u00f6nnen sie das best\u00e4tigen?<\/p>\n<p>Nichts wird hier best\u00e4tigt. Das sp\u00e4rlich vorhandene Material wird von jedem interpretiert, der ein Mikrofon halten kann und die Maske auf dem Weg ins Studio erfolgreich passiert hat.<br \/>\nDie Berichterstattung der \u00d6ffentlichen und der Privaten unterscheidet sich durch so gut wie gar nichts von der `91er. Ausgedehnte Nachrichtenformate, die versuchen, sich mit dem Informationsmangel zu arrangieren. Moderatoren und Zuschauer erhalten geb\u00fchren- oder werbefinanzierten Nachhilfeunterricht in Kriegsf\u00fchrung und restriktiver Medienpolitik der Alliierten. Gener\u00e4le a.D., Veteranen und schlicht \u201eMilit\u00e4rexperten\u201c genannte geben sich mal prophetisch mal ahnungslos.<\/p>\n<p>In waghalsig-fragilen Schaltungen wird das Korrespondentennetz an das Studio gebunden. Starren gemeinsam auf die Bildschirme. K\u00e4mpfen mit der Faszination des instanten Bildes und ihrer Berufung als Journalisten.<\/p>\n<p>Was sollen sie anderes machen? W\u00fcrden sie sich auf den symbolischen Tausch einlassen und ein Schwarzbild senden? Eine rhetorische Frage, selbstverst\u00e4ndlich. Also mitmachen und der Allianz der Netzwerke beitreten. Mit dem Missstand umgehen. Die einzige journalistische Technik, die abverlangt wird, ist die des Lesens und des anschlie\u00dfenden Verproben der verlesenen Informationsquellen.<br \/>Was meiner Beobachtung zur Folge einer der wenigen Differenzen zu 91 ist. Durch die recht dichten Korrespondentennetze im Zentrum des Geschehens lassen sich Agenturmeldungen leichter als damals noch gegeneinander verproben. War CNN vor 12 Jahren der einzige Sender, der, von den USA an der Hand gef\u00fchrt, aus dem Kriegsgebiet berichtete.<br \/>\nFrappierend empfinde ich die Tatsache, dass die fest installierten Kameras auf den Hoteld\u00e4chern in Bagdad den Ton \u00fcbertragen. Luftalarm, Detonationen und das vermeintliche All-Clear Heulen vermitteln f\u00fcr den Moment mehr Authentizit\u00e4t als die bekannten Bilder in Bagdadgr\u00fcn.<br \/>\nAuch dieser Effekt wird der Entropie der Nicht-Information erliegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stolz berichten die US-Milit\u00e4rs von immer pr\u00e4ziseren Technologien. Der Anteil immer akkurater treffender Bomben steigt. Deren Anteil am gesamten Abwurf betrug im `91er Irak-Krieg 10%, im Kosovo 40%, in Afghanistan 60% und aktuell will man uns glauben machen, kommen so gut wie keine Zivilisten ums Leben. Wir werden es eh nie erfahren. 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