{"id":745,"date":"2003-01-06T19:44:07","date_gmt":"2003-01-06T17:44:07","guid":{"rendered":"http:\/\/groscurth.com\/wordpress\/?p=745"},"modified":"2003-01-06T19:44:07","modified_gmt":"2003-01-06T17:44:07","slug":"fotofon","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/groscurth.com\/wordpress\/2003\/01\/06\/fotofon\/","title":{"rendered":"Fotofon"},"content":{"rendered":"<p>Ganz sch\u00f6n dicht, <a href=\"http:\/\/www.groscurth.com\/archives\/000792.html#000792\">die Kommentare.<\/a> Also \u2013 im rein inhaltlichen Sinne. Ich habe noch mal alle durchgelesen. Da f\u00e4llt es nicht leicht, all die verschiedenen Gedankeng\u00e4nge und Einw\u00e4nde unter einen Hut zu kriegen. Vielleicht ist es sinnvoller am originalen Text zu bleiben und die, meiner Meinung nach, ma\u00dfgeblichen Gedanken hinsichtlich der Reproduktionsthese kurz zu skizzieren und hier und da ein wenig tiefergehend zu erl\u00e4utern.<\/p>\n<p>Rauterberg nimmt sich die neuen Multimedia Mobiles vor mit denen man \u00fcberall knipsen und die Bilder anschlie\u00dfenden versenden kann. Ganz praktisch bedeutet dies doch, dass mittlerweile wirklich \u00fcberall und alles dokumentiert werden kann (zumindest potentiell, nicht jeder hat so ein Telefon oder eine digitale Videokamera). Vielleicht ist es an dieser Stelle nicht ganz korrekt mit Benjamins Reproduktionsthese zu argumentieren. Immerhin meint der die technische (mediale) Reproduktion von Kunstwerken und nicht die Reproduktion der kompletten Gegenwart. Die ist gewiss kein Kunstwerk und auch nicht zwangsl\u00e4ufig auratisch. Lassen wir aber den Gedanken zu. Vielleicht will er den Gedanken mit dem Beispiel der Hochzeit nahe legen. Ich hoffe zumindest, dass meine Hochzeit ein irgendwie auratisches Erlebnis wird!<\/p>\n<p>Noch einmal das passenden Zitat Rauterbergs: \u201eK\u00f6nnte es Sch\u00f6neres geben f\u00fcr einen, der s\u00fcchtig ist nach R\u00fcckkopplung (dem Kontakt zu den ebenfalls mobilen Mitmenschen)? Der keinem Ort verhaftet ist und daher die N\u00e4he in der Ferne sucht?\u201c (&#8230;) \u201eParadoxerweise wird dies Bed\u00fcrfnis nach Anbindung gerade von der digitalen Fototechnik verst\u00e4rkt, sie zertr\u00fcmmert unser Gef\u00fchl f\u00fcr die Jetztzeit noch weiter.\u201c<\/p>\n<p>Ort, Ferne und N\u00e4he sowie Zertr\u00fcmmerung und vielleicht auch Jetztzeit sind recht starke benjaminische Begriffe. Zumindest in diesem Kontext. Wenn immer mehr M\u00f6glichkeiten bestehen, die Jetztzeit in irgendeiner Form (hier per Fotofon) fest zu halten oder st\u00e4ndig mit dem LCD-Bildschirm der Videokamera vor dem Auge herumlaufen, dann ist die Gegenwart gewisserma\u00dfen noch schneller Vergangenheit (also die Vergangenheit, das Archiv, das mit solchen Techniken geschaffen wird). Wenn Pepe mit ihrem Fotofon ein Foto von der blau-wei\u00dfen Hertha Zahnspange schickt, dann such ich gewisserma\u00dfen die N\u00e4her der Berliner Zahnspangen-Ferne. Wenn man das f\u00fcr Deutschland mit 20 Millionen Fotofonen multipliziert und das Ganze auf 24\/7 hochrechnet wird das Ganze doch schon anschaulicher (Der Gedanke, nicht die Spange). Wer guckt da noch rechts und links? Oder wer erlebt da noch wirklich die tats\u00e4chliche Hochzeit?<br \/>\nUm zu Benjamin zur\u00fcck zu kommen: Die Hochzeit wird zertr\u00fcmmert. Das urspr\u00fcngliche, einmalige Erlebnis wird x-fach dokumentiert, um es genau damit zu zertr\u00fcmmern. Auraverlust. F\u00fcr die Hochzeit doof. F\u00fcr die, die es interessiert und die nicht dabei sind: Ein Segen. W\u00fcrde Benjamin zumindest sagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ganz sch\u00f6n dicht, die Kommentare. Also \u2013 im rein inhaltlichen Sinne. Ich habe noch mal alle durchgelesen. Da f\u00e4llt es nicht leicht, all die verschiedenen Gedankeng\u00e4nge und Einw\u00e4nde unter einen Hut zu kriegen. 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