{"id":714,"date":"2002-10-28T11:15:18","date_gmt":"2002-10-28T09:15:18","guid":{"rendered":"http:\/\/groscurth.com\/wordpress\/?p=714"},"modified":"2002-10-28T11:15:18","modified_gmt":"2002-10-28T09:15:18","slug":"have_a_break_ha_1","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/groscurth.com\/wordpress\/2002\/10\/28\/have_a_break_ha_1\/","title":{"rendered":"Have a break, have a&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Aus Mr. Bowfinger, am Sonntag auf RTL zu sehen, kann, wer will, mehr als einen durchschnittlichen Hollywood Klamauk lesen. In dem Film dreht eine hoffnungsloses Produktionsteam einen Streifen &#8211; ohne Hauptdarsteller. Der reale Schauspieler, Eddy Murphy spielt tats\u00e4chlich einen erfolgreichen Schauspieler, w\u00fcrde jedoch in der erw\u00e4hnten banalen Produktion nicht mitspielen. Das Filmteam aber dreht mit versteckter Kamera. L\u00e4sst ihn mit den &#8222;echten&#8220; fiktiven Schauspieler in seiner Realit\u00e4t (der des erfolgreichen Schauspielers) begegnen. Was er verst\u00e4ndlicherweise nicht begreifen kann. Das ist aber auch egal, denn der B-Movie wird am Ende ein Erfolg. Die bewusste \u00dcberschneidung von Fiktion und Realit\u00e4t funktioniert.<\/p>\n<p>Verfolgt man die j\u00fcngste Heckensch\u00fctzen-Hype, so stellt sich die Frage, inwiefern hier Journalismus oder eben die Gelegenheit zur Umsetzung x-mal erprobter fiktionaler Skripte genutzt wird. Opfer, T\u00e4ter und die Polizei, respektive das FBI, stellen im Nachrichtenjournalismus A.D. 2002 standardisierte Charaktere dar, an die uns das Fernsehen in meist simpel strukturierten Plots \u00fcber Jahre gew\u00f6hnt hat. Das Publikum hockt gebannt vor dem TV. Keiner der gro\u00dfen US Nachrichtensender hatte je derma\u00dfen hohe Quoten. OJ Simpson vom Helicopter live \u00fcbertragene Flucht auf dem Highway war der Prototyp dieses actionreichen Reality\/ Fiktions Plots. Diesen mit Bild und Ton einzufangen, ist heute keine Schwierigkeit mehr. Vermutlich ist in einigen Jahren die technische Verz\u00f6gerung auf den \u00dcbertragungswegen die gr\u00f6\u00dfte Bremse der Live-Bilder.<\/p>\n<p>N\u00e4chste Kritik: Die 24-Stunden Live\u00fcbertragung aus dem Moskauer Musicaltheater. Der schmale Grad zwischen Leben Tod von 800 Menschen f\u00fchrt durch Millionen von Wohnzimmern auf der ganzen Welt. Ohne Zeitverlust. Pl\u00e4dieren die Medien bald f\u00fcr die Aufhebung der Zeitzonen ? Prime-Time \u00fcberall zur gleichen Zeit. Das wirklich &#8222;echte&#8220; Live-Erlebnis. Vollendet in einem Telefoninterview einer Radioreporterin mit einer Geisel, die gerade die Erst\u00fcrmung des Geb\u00e4udes schildert &#8211; sie musste glauben, in wenigen Augenblicken zu sterben. Sie telefoniert dennoch mit dem Radio. Sitzt hinter verriegelten T\u00fcren, in ihrer N\u00e4he die Tschetschen, von denen sie nur ahnen kann, was sie tun werden, wenn gest\u00fcrmt wird. Sie fleht die russische Regierung \u00fcber Telefon und Radio an, nicht zu st\u00fcrmen, ihr das Leben zu lassen. Nat\u00fcrlich h\u00f6ren Sie sie nicht. Sie hofft es, verfolgt jedoch w\u00e4hrend des Gespr\u00e4chs irgendeinen Nachrichtensender, der ihr das \u00e4u\u00dfere Bild liefert. Die Spezialkr\u00e4fte beginnen mit dem Sturm des Theaters. Pers\u00f6nliches und kollektives Schicksal &#8211; medial vermittelt und somit allen Menschen zug\u00e4nglich. Gleichzeitig fallen Sch\u00fcsse, wird das Gas eingelassen. Sie wei\u00df nicht, was da passiert. Ihre Schilderung aus dem Inneren komplettiert das \u00e4u\u00dfere Bild zum Gesamten \u2013 freilich nur f\u00fcr den Fernsehzuschauer. Nicht f\u00fcr die Gefangenen. Nicht f\u00fcr die wartenden Angeh\u00f6rigen. Die Geiseln verlieren das Bewusstsein. Was schreit nach einem Werbeblock. Have a break, have a&#8230;  (nachtr\u00e4glich editiert am 30.10.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus Mr. Bowfinger, am Sonntag auf RTL zu sehen, kann, wer will, mehr als einen durchschnittlichen Hollywood Klamauk lesen. In dem Film dreht eine hoffnungsloses Produktionsteam einen Streifen &#8211; ohne Hauptdarsteller. Der reale Schauspieler, Eddy Murphy spielt tats\u00e4chlich einen erfolgreichen Schauspieler, w\u00fcrde jedoch in der erw\u00e4hnten banalen Produktion nicht mitspielen. 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