{"id":558,"date":"2002-03-16T15:08:00","date_gmt":"2002-03-16T13:08:00","guid":{"rendered":"http:\/\/groscurth.com\/wordpress\/?p=558"},"modified":"2002-03-16T15:08:00","modified_gmt":"2002-03-16T13:08:00","slug":"sofa_surfers_2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/groscurth.com\/wordpress\/2002\/03\/16\/sofa_surfers_2\/","title":{"rendered":"Sofa Surfers"},"content":{"rendered":"<p>Surf`s Up. Warum definiert sich mein Bild von \u00d6sterreich weniger \u00fcber Haider, die FP\u00d6 oder Erinnerungen an Familienurlaube in K\u00e4rnten als \u00fcber eine Handvoll wirklich f\u00e4higer K\u00fcnstler feiner elektronischer Musik?<\/p>\n<p>Klar, Kruder &#038; Dorfmeister h\u00f6rt man allenthalben, sind auf verschiedenste Samplern gepresst und vertreten sicherlich ein mittlerweile popul\u00e4res Genre. Vielleicht ist auch dies ein Grund, dass Dorfmeister dann und wann bei den Sofa Surfers mitmischt, die vor allem Frickeleien und B\u00e4sse ganz anders interpretieren als die zahlreichen, immer chillenden Sofa DJs.<br \/> Die Sofa Surfers hingegen vertreten eher eine stark kopfnickende Fraktion, sind mit Kreidler zu vergleichen,  um die Grenzen \u00d6sterreichs nicht zu verlassen.<br \/> Der Weg nach Aschaffenburg, f\u00fcr mich immerhin 170 Kilometer und f\u00fcr Markus aus Dortmund noch mal ein ganzes St\u00fcck weiter, wird auf jeden Fall kurz, wenn derart nette Musik zu erwarten ist. Nett \u00fcbrigens auch das Publikum, bei solchen kleineren Veranstaltungen fast schon Usus. Eigentlich nur sympathische Leute; von Mitte zwanzig bis Mitte vierzig ist eigentlich jede Couleur vertreten.<\/p>\n<p> Wie die Musik war? Meiner Meinung nach sind Sofa Surfers live eher eine Art Performance. Also Bass, Gitarre, Schlagzeug, Plattenteller, Frickel-Ger\u00e4te (wie hei\u00dft so etwas?), ein Vocalist, der Fela Kuti hei\u00dft und die obligatorischen Ragga-Phrasen drischt, sowie Viduk, einem begnadeten Videok\u00fcnstler, der den Auftritt der Surfers zu einer echten Multimedia-Performance macht.<br \/> Das Konzert l\u00e4uft erwartungsgem\u00e4\u00df schwerf\u00e4llig an. Nicht, weil in irgendeiner Art musikalische Langeweile aufkommt, sondern weil die Musik einfach so ist. Die Beats, Schlagzeug und Percussion-Output aus dem Rechner &#8211; perfekt eingespielt &#8211; pr\u00e4gen eben die Wiener Sofa-Beats. Dopebeats, wie man den Kritiken der Rezensionen entnimmt. Etwas klischeehaft, trifft aber den Nagel irgendwie mitten auf den Kopf. Die einzelnen St\u00fccke, \u00fcberwiegend aus der neuen &#8222;Encounters&#8220;, bilden ein einziges Set, das mit \u00fcberwiegend 1a \u00dcberg\u00e4ngen erfreut. Absolut harmonisch zur Musik ist Viduks visuelle Metropolen-\u00c4sthetik auf der Leinwand im Hintergrund, die legitime Fortsetzung avantgardistischer Montagetechniken a la Eisenstein und Pudovkin. Perfekt angepasst an die Stakkato-Rhythmik von Break- oder Bigbeat.<\/p>\n<p>Medienkulturell echt interessant und vor allem endlich ein Ende der Grabenk\u00e4mpfe zwischen handgemachter und elektronischer Musik &#8211; eine Diskussion, die f\u00fcr mich fast genauso langweilend ist, wie die zwischen Mac und PC-Besitzern &#8211;  ist die Art wie Analoges und Digitales fusioniert und dabei einfach Neues bei herauskommt. So geh\u00f6rt beim letzten St\u00fcck, des Konzerts: &#8222;Can I get a Witness&#8220; in einer sehr viel l\u00e4ngeren Version als auf Encounters, mit der Off-Stimme von Dawna Lee, wundersch\u00f6ner Gitarre, Bass und Schlagzeug, die dann, wenn die Plattenversion endet, so harmonisch von akustisch\/ analog ganz langsam in elektronisch\/ digital hin\u00fcber flie\u00dft. Zun\u00e4chst Dawna Lees Stimme leicht verzerrt, dann gesamplet und immer weiter &#8222;bearbeitet&#8220;, parallel dazu wird das Schlagzeug erg\u00e4nzt durch Computer geschaffene Beats, gescratche dazu; die Gitarre bleibt wie sie war &#8211; und dreht sich um zu dem Pult mit den vielen Reglern und den vielen Kn\u00f6pfen. Dem Kopf und dem Herz der Sofa Surfers.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Surf`s Up. Warum definiert sich mein Bild von \u00d6sterreich weniger \u00fcber Haider, die FP\u00d6 oder Erinnerungen an Familienurlaube in K\u00e4rnten als \u00fcber eine Handvoll wirklich f\u00e4higer K\u00fcnstler feiner elektronischer Musik? Klar, Kruder &#038; Dorfmeister h\u00f6rt man allenthalben, sind auf verschiedenste Samplern gepresst und vertreten sicherlich ein mittlerweile popul\u00e4res Genre. 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