{"id":543,"date":"2002-02-28T17:50:00","date_gmt":"2002-02-28T15:50:00","guid":{"rendered":"http:\/\/groscurth.com\/wordpress\/?p=543"},"modified":"2002-02-28T17:50:00","modified_gmt":"2002-02-28T15:50:00","slug":"flusser_2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/groscurth.com\/wordpress\/2002\/02\/28\/flusser_2\/","title":{"rendered":"Flusser"},"content":{"rendered":"<p>Fenster sind L\u00f6cher in W\u00e4nden. W\u00e4nde sind Instrumente zum Schutz gegen drau\u00dfen.<\/p>\n<p>Fenster sind unter anderem Instrumente zum Herausschauen. W\u00e4nde sind Vorbedingungen f\u00fcr Fenster. Aber zwischen beiden besteht ein Feedback.<\/p>\n<p>W\u00e4nde sind kahl und k\u00f6nnen \u00fcbermalt werden. Wandmalereien sind &#8222;k\u00fcnstliche&#8220; Fenster. Sie stellen vor, was sich durch das Fenster darstellt oder darstellen k\u00f6nnte, oder was man sich w\u00fcnscht, dass sich darstellt.<\/p>\n<p>Ausblick aus dem Fenster (Orientierung), gefolgt vom Vorsto\u00df aus der T\u00fcr (orientiertes Engagement), gefolgt von der R\u00fcckkehr in die vier W\u00e4nde (Einkehr). Dies ist der Rhythmus des menschlichen Lebens, und ohne W\u00e4nde, Fenster und T\u00fcren kann der Mensch nicht sinnvoll leben. Sie sind lebenswichtige Instrumente.<\/p>\n<p>Fenster sind Instrumente, um auf die Welt zu blicken, aber aus zwei Gr\u00fcnden mangelhafte Instrumente. Erstens sieht man durch das Fenster nur Ph\u00e4nomene, die nicht zu gro\u00df oder zu klein sein und die sich nicht allzu rasch bewegen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Und zweitens hat das Fenster einen starren Rahmen und bietet nur eine spezifische und beschr\u00e4nkte Ansicht.<\/p>\n<p>Die Absicht, mit der das Fernsehen entworfen wurde, war, einen neuen Typ von Fenster zu erzeugen.<\/p>\n<p>Das &#8222;Wesen&#8220; der Fernsehkiste ist eine neue Art von Fenster, wobei allerdings, wie Rene Berger richtig erkennt, sich die R\u00f6hre vom Fenster durch das Licht unterscheidet, das von ihr ausstrahlt. Das Kathodenlicht ist eines der wenigen Lichter auf Erden, das nicht einmal indirekt von der Sonne stammt, und hat daher einen anderen, einen kalten Charakter.<\/p>\n<p>(Das Fernsehen) ist als verbessertes Fenster entworfen worden, und soll es diesem seinen Wesen entsprechen, muss es eine Wahrnehmungsform werden, die uns vom Modell des traditionellen Fensters befreit und der Wahrnehmung bisher kaum geahnte M\u00f6glichkeiten bietet.<\/p>\n<p>Wenn &#8222;vorstellende Wahrnehmung&#8220; die &#8222;pr\u00e4historische&#8220; Wahrnehmungsform ist und &#8222;konzipierende prozessuelle Wahrnehmung&#8220; die &#8222;historische&#8220;, dann kann man beim Fernsehen von der M\u00f6glichkeit einer &#8222;posthistorischen Wahrnehmungsform&#8220; sprechen.<\/p>\n<p>Die zum Zweck der Wahrnehmung manipulierten Ph\u00e4nomene werden von anderen manipuliert, nicht vom Empf\u00e4nger. Der Empf\u00e4nger bliebe also im hohen Ma\u00dfe (&#8230;) zur passiven Betrachtung verurteilt. Auf diese Art &#8222;Fensterwesen&#8220; des Fernsehens nicht ersch\u00f6pft; dazu w\u00e4re eine zus\u00e4tzliche \u00c4nderung seiner Benutzung notwendig.<\/p>\n<p>Sollte (&#8230;) das Fernsehen wie ein Fenster funktionieren, dann w\u00fcrde der Empf\u00e4nger nach einer T\u00fcr suchen, um sich in der Welt zu engagieren, und mangels einer solchen T\u00fcr w\u00fcrde er versuchen, in die ihn umgebenden W\u00e4nde T\u00fcren zu schlagen.<\/p>\n<p>Zitate aus Vilem Flusser: &#8222;Fernsehen als Fenster zum Blicken auf die Welt&#8220;. So gedruckt in <A HREF=\"http:\/\/www.navigationen.de\">Navigationen Nr. 2<\/A>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fenster sind L\u00f6cher in W\u00e4nden. W\u00e4nde sind Instrumente zum Schutz gegen drau\u00dfen. Fenster sind unter anderem Instrumente zum Herausschauen. W\u00e4nde sind Vorbedingungen f\u00fcr Fenster. Aber zwischen beiden besteht ein Feedback. W\u00e4nde sind kahl und k\u00f6nnen \u00fcbermalt werden. 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