{"id":532,"date":"2002-02-21T15:49:00","date_gmt":"2002-02-21T13:49:00","guid":{"rendered":"http:\/\/groscurth.com\/wordpress\/?p=532"},"modified":"2002-02-21T15:49:00","modified_gmt":"2002-02-21T13:49:00","slug":"basel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/groscurth.com\/wordpress\/2002\/02\/21\/basel\/","title":{"rendered":"Basel"},"content":{"rendered":"<p>Ein Videoprojekt zieht mich gen Basel und zeigt sich daf\u00fcr verantwortlich, dass ich, obwohl Karneval in deutschen Landen l\u00e4ngst passe ist, um den organisiserten Frohsinn nicht herumkomme. Aber da in der Schweiz eh` vieles so ganz anders ist, l\u00e4sst sich das dortige Fassnachtstreiben durchaus ertragen. Zudem gibt es in Basel und im deutschen Grenzgebiet sch\u00f6ne Sitten und Br\u00e4uche, die an dieser Stelle Erw\u00e4hnung finden sollen.<\/p>\n<p>Feurig geht es vor allem in Liestal (sprich Lieschtel) zu, wo abends Trommler und Fl\u00f6ter riesige Feuer ank\u00fcndigen, die auf st\u00e4hlernen Wagen lodern die durch die Altstadt gezogen werden. Tausende, die am Rand stehen (wahrscheinlich sind in der ersten Reihe nur unwissende Touristen zu finden) verbrennen sich den Pony und die Nase, wenn die brennenden Gef\u00e4hrte auch nur in ihre N\u00e4he kommen. Die Feuerwehr steht dabei Spalier und \u00e4ugt ein wenig misstrauisch auf die Fassaden der Altstadt, denn die Flammen der gr\u00f6\u00dften Wagen schlagen gut und gerne 10 Meter hoch und r\u00e4uchern so manche Wohnung nachhaltig ein. Zwischen den Wagen laufen immer wieder dick vermummte Schweizer mit den <a href=\"http:\/\/www.chienbaese.ch\/\">Chienb\u00e4sen<\/a>, die dem Brauch den Namen geben, umher. Chienb\u00e4se sind mitteldicke St\u00e4mme, die \u00fcber der Schulter getragen werden und an deren Ende Holzscheite befestigt sind, sodass sie an einen riesigen h\u00f6lzernen Pinsel erinnern. Ab und zu machen sich die Besentr\u00e4ger einen Spass, beginnen zu rennen und sich gef\u00e4hrlich schnell zu drehen, dass die Funken stieben und die Glut in bester Grillmanier nochmal richtig durchheizt. Ich bin gespannt auf die Fotos, die hier demn\u00e4chst bestimmt zu sehen sind.<\/p>\n<p>An eine primitive Driving Ranch f\u00fchlt man sich hingegen erinnert, wenn man die Grenze nach Deutschland passiert und einen der L\u00f6rracher Hausberge erklimmt. Dort brennen zur Fasnacht riesige Feuer &#8211; unabdingbar, um ein echtes <a href=\"http:\/\/www.dolde.de\/extern\/events\/dcc\/detail.html?nummer=65\">Feuerscheibenschie\u00dfen<\/a> zu veranstalten. Wie gesagt, es handelt sich scheinbar um den uralten Vorl\u00e4ufer einer modernen Driving Ranch. Wir befinden uns also auf einer hanglagigen Wiese. Ein Pfosten und eine darauf befestigte Bohle bilden ein Rampe, die hangabw\u00e4rts gerichtet ist. Dies ist der Abschlag. Zuvor nimmt man eine Feuerscheibe, etwas vereinfacht gesagt, ein zentimeterstarker, h\u00f6lzerner Biedeckel. In der Mitte mit einer Bohrung versehen. Die Feuerscheibe wird mit dem Loch auf eine etwa zwei Meter lange Weidenrute gesteckt. Gerade so, dass vielleicht die obersten zwei, drei Zentimeter der Rute durch in der Bohrung stecken. Anschlie\u00dfend h\u00e4lt man Rute samt Scheibe ins Feuer bis sie zu brennen beginnt. Man nimmt sie heraus und stellt sich neben die Rampe, visiert so, dass die gl\u00fchende Scheibe, durch die Rute geschwungen, mittig auf die Rampe trifft. Wenn man die Rampe optimal trifft l\u00f6st sich die Scheibe und fliegt wirbelnd gen Tal. Und sie fliegt weit, wirklich weit. Gute 150 Meter sind bestimmt keine \u00dcbertreibung. Ein irres Bild wenn gleichzeitig auf f\u00fcnf Rampen angeschlagen wird.<\/p>\n<p>Mittlerweile ist es halb eins in der Nacht, man riecht wie ein R\u00e4ucherschinken, ist stundenlang auf den Beinen und die Basler Fassnacht hat noch nicht einmal begonnen. Die beginnt n\u00e4mlich mit dem Morgenstraich um Schlag vier in der Nacht. Wir finden uns also auf dem zentralen Markplatz ein und um uns das Warten zu verk\u00fcrzen haben die Stadtwerke ein Einsehen und schalten die komplette <a href=\"http:\/\/www.fasnacht.ch\/Content\/newsdefault.cfm?id=259\">\u00f6ffentliche Beleuchtung<\/a> ab &#8211; eine Minute zu fr\u00fch, wie der <a href=\"http:\/\/www.fasnacht.ch\/Content\/newsdefault.cfm?id=268\">Baslerstab<\/a> mitteilt. Aha. Jetzt ist allerdings eh` alles egal, denn  ab nun sind eigentlich nur die typischen Pfeiffer und  Trommler zu h\u00f6ren, die vollkommen chaotisch durch die Gassen ziehen. Dabei achten sie genau darauf immer Gegenverkehr zu haben, was bei den anwesenden Menschenmassen die Sache und das freie Bewegen nicht gerade erleichtert. Stil hat der Morgenstraich auf alle F\u00e4lle. Die Gruppen sind wirklich toll verkleidet. Die einzige Beleuchtung in der v\u00f6llig dunklen Altstadt sitzt auf den maskenverkleideten K\u00f6pfen der Musikanten, von denen jeder eine Art Lampion auf dem Kopf tr\u00e4gt. Sehr sch\u00f6n, sehr gespenstig.<\/p>\n<p>Unsere Nacht endet so gegen sechs\/ halb sieben. Zuvor \u00fcberhitzt von zuviel Feuer ringsum, nun mit erfrorenen F\u00fc\u00dfen. Endlich ein Bett aber nur wenige Stunden Schlaf, denn traditionelle Umz\u00fcge gibt`s auch in Basel. Also: raus aus der Schweiz, rein in die Schweiz. Mittags um zwei wieder auf dem Markt, diesmal etwas h\u00f6her auf dem Prunkbalkon oberhalb des M\u00f6venpicks. Wir drehen ja `nen Film, da l\u00e4dt man uns nett ein, um von oben besser zoomen zu k\u00f6nnen. Dann filmt man so den Umzug und findet eigentlich nur drei Sujets, wie man dort f\u00fcr Mottowagen sagt. Basler Lokalpolitik, Swissair-Pleite und immer wieder grinsende Kiffer-Sujets. Manche freuen sich so \u00fcber die gewonnene Legalisierung, dass auf dem Motto-Wagen massenhaft Homegrown-Verschnitt verfeuert wird. Lustig und geschmacksintensiv.<\/p>\n<p>Wer den Hals nun noch  nicht voll hat stellt sich direkt an den Zug. Pfiffige Schweizer &#8211; wer hat`s erfunden? &#8211; funktionieren H\u00e4ckslermaschinen um, montieren sie auf dem Wagen und pusten den Massen kiloweise Konfetti in den Rachen. Unser Hals ist bereits voll. Kameraequipment zusammengepackt, letzte Etappe &#8211; Kneipentour. Die n\u00fcchternste, die ich je erlebt habe. Ein mittelgro\u00dfes Pils f\u00fcr 7 Mark? Lieber nicht. Daf\u00fcr viel Schbass. Kamerakind und Chefmusiker Hannes jazzt mit seiner Kombo quer durch die Basler Kneipen. Riesen Stimmung und eine nette Abwechslung zu allgegenw\u00e4rtigen Guggemusig. M\u00e4dels h\u00fcpfen auf die Tische, die Wirte verteilen Freibier an die Musikanten. Nach der siebenten oder achten Kneipe klink ich mich aus und leg die Beine hoch&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Videoprojekt zieht mich gen Basel und zeigt sich daf\u00fcr verantwortlich, dass ich, obwohl Karneval in deutschen Landen l\u00e4ngst passe ist, um den organisiserten Frohsinn nicht herumkomme. Aber da in der Schweiz eh` vieles so ganz anders ist, l\u00e4sst sich das dortige Fassnachtstreiben durchaus ertragen. 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