{"id":456,"date":"2001-11-09T18:05:00","date_gmt":"2001-11-09T16:05:00","guid":{"rendered":"http:\/\/groscurth.com\/wordpress\/?p=456"},"modified":"2001-11-09T18:05:00","modified_gmt":"2001-11-09T16:05:00","slug":"eine_debatte_2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/groscurth.com\/wordpress\/2001\/11\/09\/eine_debatte_2\/","title":{"rendered":"Eine Debatte"},"content":{"rendered":"<p>Ich rufe schon den ganzen Tag ins Radio, aber nix passiert. Schuld sind die beiden hier und ihre Debatte:<\/p>\n<p>In ihrem Zentrum steht die Diskussion um die Funktion und M\u00f6glichkeit der technischen Massenmedien, vor allem Rundfunk und Fernsehen.<br \/>Enzensberger nimmt Ende der 60er Jahre in seinem &#8222;Baukasten zu einer Theorie der Medien&#8220; die in Berthold Brechts Texten zum Rundfunk entstandenen Gedanken auf. Jean Baudrillard wiederum setzt sich Ende der 70er Jahre in weiten Teilen mit Enzensbergers Thesen auseinander. Obwohl die Autoren in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten argumentieren, besch\u00e4ftigen sie sich alle mit der Frage, inwiefern technische Massenmedien wie Rundfunk und Fernsehen \u00fcberhaupt als Kommunikationsapparate zu verstehen sind und warum ihre Realisierung in dieser Richtung bisher gescheitert sind. Brecht und Enzensberger vetreten dabei einen marxistischen- bzw. sp\u00e4tmarxistischen Ansatz, den Baudrillard Ende der 70er Jahre aufgibt.<\/p>\n<p>Enzensberger w\u00fcrdigt die fr\u00fchen marxistischen Autoren Brecht und Benjamin hinsichtlich ihres Bem\u00fchens, die Funktion der technischen Medien im Rahmen eines m\u00f6glichen sozialistischen Gesellschaftsgef\u00fcges ausgewogen betrachtet zu haben und nicht, wie die Mehrzahl der Linken Ende der 60er Jahre, lediglich die repressive Funktion der Medien innerhalb eines kapitalistischen Systems wahrzunehmen. Enzensberger geht es vorderhand darum, die emanzipatorischen M\u00f6glichkeiten des Mediums zu entdecken. Eine neue Theoriebildung mu\u00df daher das theoretische Defizit der 60er Jahre aufarbeiten, das sich darauf beschr\u00e4nkt, die Massenmedien \u00fcberwiegend mit dem Begriff der Manipulation gleichzusetzen.<br \/>Da\u00df den Massenmedien die Manipulation immanent ist, steht f\u00fcr Enzensberger seit den Erfahrungen von 1968 au\u00dfer Frage. Es w\u00e4re grunds\u00e4tzlich falsch, von einer unmanipulierten Wirklichkeit auszugehen.<br \/>Hier nimmt Enzensberger die Botschaft Brechts auf, den Rundfunk als Distributionsapparat zu machen. Da dies die technische Funktionsweise des Rundfunkapparates erlaube, sind von vorherein festgelegte Sender-Empf\u00e4nger Strukturen nicht inh\u00e4rent und somit nicht zu akzeptieren. Es sind vielmehr die strukturellen Bedingungen der gesellschaftlichen Ordnung, die dies zulassen. Einen ersten Schritt macht man, indem man den Rundfunk nicht als Mittel der Manipulation, sondern als Produktionsmittel sieht. In der Folge kann jeder zum Sender werden. Das Wesen der Medien sieht Enzensberger grunds\u00e4tzlich als egalit\u00e4r, also auf gesellschaftliche Gerechtigkeit zielend, an.<\/p>\n<p>Wenige Jahre sp\u00e4ter entsteht Baudrillars &#8222;Requiem f\u00fcr die Medien&#8220;, das versucht Enzensberger Bem\u00fchungen um eine Aufnahme der Medientheorie in eine marxistische Gesellschafttheorie zu entkraften. Baudrillard wirft den Marxisten vor, den reinen Kommunikationsproze\u00df, den Austausch, nicht ordentlich genug recherchiert zu haben. Dieser sei vollkommen unabh\u00e4ngig von gesellschaftlichen Bedingungen und rufe ein Verh\u00e4ltnis zwischen Sender und Empf\u00e4nger hervor, das Kommunikation grunds\u00e4tzlich unm\u00f6glich mache. Technische Medien basieren nach Baudrillard grunds\u00e4tzlich auf Signalen, die auf ihre abstrakten Codes reduziert werden. Das Ereignis der Kommunikation wird so liquidiert und ein Tausch kann nicht mehr stattfinden. Die Realit\u00e4ten (die zu kommunizierenden Ereignisse) werden auf Codes reduziert, die deren Unterscheidbarkeit unm\u00f6glich machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich rufe schon den ganzen Tag ins Radio, aber nix passiert. 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